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Die im Album gezeigte Auswahl von Ansichtskarten zeigt Bielitz-Biala mit den umliegenden Ortschaften in den letzten 20 Jahren ihrer Zugehörigkeit zu Österreich-Ungarn, einem Vielvölkerstaat, der 1918 mit dem Ende des I. Weltkrieges aufgehört hat zu bestehen.

Es ist zugleich die Epoche, in der sich die am meisten dynamischen Veränderungen in der Geschichte der Doppelstadt ereignet und entscheidend ihr Gesicht geprägt haben, wie wir es heute kennen. Zu dieser Zeit bildeten beide Ortschaften in vielerlei Beziehung bereits eine Einheit, die mit der Bezeichnung die beiden “Schwesterstädte Bielitz-Biala” umschrieben wurde, obwohl in diesem Duett Bielitz dominierte und Biala etwas im Schatten stand. Es war vor allem eine Einheit in wirtschaftlicher Hinsicht. Bereits im 19. Jh. nannten die Berichte über den Zustand der Industrie im Öster-reichischen Schlesien die Stadt Bielitz zusammen mit dem Galizischen Biala, zumal beide (wie man damals unterstrich) ein Produktionszentrum darstellten. Die gesellschaftlich-kulturelle Gemeinsamkeit zeigte sich auch in für beide Städte wirkenden Gesellschaften und Organisationen, die in ihrem Namen den Bestandteil “Bielitz-Bialaer” führten. So war es auch in den Titeln der Lokalpresse, in Adressbüchern und Touristenführern, worin “Bielitz-Biala” in allen möglichen Gelegenheiten vorkam.
Das schlesische Bielitz gehörte seit 1526 zur Habsburgermonarchie, das galizische Biala seit 1772. Es ist klar, dass die Jahrhunderte dauernde eben solche und keine andere Staatszugehörigkeit und die daraus resultierende wirtschaftliche und kulturelle Bindung, auch im Hinblick auf die hiesige völkische Situation, auf Bielitz-Biala an der Wende des 19. zum 20. Jh. einen bestimmenden Einfluß hatten. Trotzt der starken wirtschaftlichen Beziehungen von Bielitz zu den polnischen Gebieten tendierte Bielitz seit dem Mittelalter mehr nach Böhmen und Österreich. Nach 1772 galt dieser Sachverhalt auch für das galizische Biala. Diese Erscheinung verstärkte sich noch in der zweiten Hälfte des 19. Jh., als man die kulturellen Vorbilder insbesondere aus der Hauptstadt – dem kaiserlichen Wien – bezog. Ein untrügliches Zeugnis aus dieser Epoche bleibt bis auf den heutigen Tag die Architektur und das eigentümliche Klima der Stadt, das sie mit allen Zentren des früheren Österreich-Ungarn, von Innsbruck bis Czernowitz, von Krakau bis Agram (Zagreb), gemeinsam hat.
Vom Mittelalter lebten am Ufer des Bialkaflußes Deutsche und Polen, ab dem 18. Jh. zogen immer mehr Juden zu, man konnte da ebenfalls Böhmen, Mährer, Ungarn, ja sogar Italiener und Griechen antreffen. Die Mehrheit der Bewohner benutzte Deutsch als Umgangssprache und darin enthalten sind nicht wenige Lehnwörter aus dem Polnischen. Andererseits haben die hiesigen Polen in ihre tägliche Sprache eine Reihe deutscher Ausdrücke übernommen. Man bediente sich übrigens am liebsten so schlecht und recht, beider Sprachen. Die Menschen priesen Gott in den katholischen wie den evangelischen Kirchen, zu welchen im 19. Jh. die “reformierten” Synagogen und orthodoxen Bethäuser der Juden aus dem Osten hinzu kamen. Alle diese Völker trugen Elemente ihrer Kultur bei und bildeten so einen spezifischen Schmelztiegel der Nationen, was gar nichts Besonderes in der Monarchie war, über welche der bekannte Novellist Josef Roth schrieb: “.. sie war ein Haus mit vielen Türen und vielen Kammern, für vielerlei Art von Leuten”.

Bielitz und Biala an der Jahrhundertwende waren voller pulsierenden Lebens und Schaffens, ein wichtiges Industriezentrum in Österreich-Ungarn, wovon sichtbar der hohe Wald von Fabrikschloten zeugte. Die Schwesterstädte, obwohl räumlich nicht übermäßig ausgedehnt, waren ungemein rührig in wirtschaftlicher Hinsicht. Schon vor Jahrhunderten bestimmte die Richtung ihrer Entwicklung die Weberei – die berühmte Wolle aus Bielitz – zu der sich im 19. Jh. weitere Produktionszweige gesellten, so insbesondere die Metall- und Maschinenindustrie. Das Anwachsen und die Entwicklung der Industrie bewirkten tiefgreifende Veränderungen auf allen Gebieten im hiesigen Leben und einen enormen kulturellen Fortschritt beider Städte, über den gerade unser Album berichtet. Um jedoch zu verstehen, wie es zu eben diesen Veränderungen kam und um die Welt zu begreifen, in der diese Menschen lebten, die aus den Ansichtkarten auf uns blicken, um zu wissen, warum sie so und nicht anders handelten, diese und keine anderen Sprachen redeten, muß man im Eilschritt durch die frühere Geschichte dieses schönen Erdenwinkels mit den Schwesterstädten am Fuße der Beskiden eilen.
Die erste mittelalterliche Siedlung auf dem Gebiet von Bielitz war der Ringwall in Altbielitz, der gegen Ende des 12. Jh. an dem Handelsweg angelegt wurde, der von Krakau nach Teschen und weiter nach Mähren führte. Jedoch erst die Besiedlungswelle, die ab Mitte des 13. Jh. von den in Schlesien herrschenden Piastenfürsten ins Rollen gebracht wurde, führte zur Entstehung der Stadt Bielitz (poln. Bielsko, tschech. Bilsko) und der sie umgebenden Waldhufendörfer. Im letzten Viertel dieses Jahrhunderts wurden die Dörfer Bielitz (das spätere Altbielitz), Lipnik (Kunzendorf) und Komorowice (Batzdorf), etwas später Nikelsdorf und Kamitz sowie die eigentliche Stadt Bielitz gegründet. Sie wird erstmalig 1312 urkundlich belegt. Diese Orte lagen in der Mitte des Fürstentums Teschen, das aus dem Fürstentum Oppeln 1281 ausgegliedert wurde und die Kastellaneien Teschen und Auschwitz umfasste. Zur polnisch sprechenden Bevölkerung kamen damals die deutsch sprechenden Kolonisten. Sie kamen wahrscheinlich aus den früher kolonisierten Gebieten Niederschlesiens sowie vielleicht auch aus den übervölkerten Gebieten von Nordwestdeutschland. Die Siedungswelle erreichte im Süden die Zips, im 14. Jh. Jarosław, Przemyśl und Lemberg. Mit der Zeit wurden die meisten Ankömmlinge von der einheimischen slawischen Bevölkerung gänzlich assimiliert. Es verblieben nur einige isolierte deutschsprachige “Inseln”. Eine davon war Bielitz mit den umliegenden Dörfern. Um 1316 wurde das neue Siedlungsgebiet infolge wiederholter Erbteilungen und durch das Ausgliedern des selbständigen Fürstentums Auschwitz zweigeteilt. Es entstand die Grenze an der Bialka und Bielitz wurde Grenzstadt im Herrschaftsbereich der Teschener Piasten. 1327 huldigten die Herrschenden von Teschen und Auschwitz dem König Johann von Luxemburg und beide Fürstentümer befanden sich innerhalb der Grenzen des Königreichs Böhmen. 1457 wurde die Bialka wegen der Wiedereingliederung von Auschwitz nach Polen für mehr als 300 Jahre Staatsgrenze, wobei sie für die hier wohnenden Menschen immer die Grenze von Schlesien und Polen war, ohne Rücksicht auf die jeweilige politische Staatszugehörigkeit von Schlesien..

  

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Komentarze



5 komentarze do “Zur Geschichte von Bielitz-Biala bis 1918”

  1. Dodał: Ernst Kohl - 12 September 2009 19:12

    Sehr interessant! Mein Urgrossvater hat ca. um 1870 in Bielitz – Biala in einem Spinnereibetrieb gearbeitet, kam ca. um 1875 im Alter von etwa 35 Jahren durch einen Unfall ums Leben und wurde auch dort begraben. Ich habe noch ein Foto von ihm.

  2. Dodał: klimond alexander - 7 January 2011 22:43

    hallo vielleicht kan mir ja hier jemand helfen,ich bin auf der suche nach meinen grossvater.oder besser nach den wurzeln meines grossvaters und meiner famillie.

    er war
    ludwig ladislaus klimond
    und kamm aus bielsko biala und kamm nach österreich wo er meine grossmutter heirate.aber er starb leider schon sehr früh als mein vater erst 2 jahre alt war.
    am taufschein meines vaters kann man leider nicht mehr viel lesen nur das
    ludwig klimond
    am 18.2.1877 geboren ist und sein vater bau oder braumeister war.
    vielleicht kann mir ja jemand helfen würde mich freuen.
    liebe grüsse alexander klimond

  3. Dodał: Mifka JC - 1 November 2016 20:35

    Meine Vorfahren hatten in Biala eine Weberei bis ca. 1936-40 und sie fliehen mussten nach Österreich Linz aD.

  4. Dodał: Lange, Hendrikje - 25 January 2018 00:04

    Dies war sehr informativ zu lesen. Mein Urgrossvater Lange stammt aus Bielitz Biala. Da er seine Eltern früh verlor wuchs er bei Verwandten auf und musste in jungen Jahren auswandern um sich einen Lebensunterhalt zu suchen. So viel ich weiss war sein Vater in der Tuchmacherei tätig gewesen. Mein Urgrossvater wanderte bis nach St. Gallen in die Schweiz wo er auch wieder im Tuchhandel tätig war. Später arbeitete er bei der Schneiderei Mettler am Limmatquai in Zürich.
    Ich plane bald nach Bielitz zu reisen. Gibt es ein Archiv wo ich ev Informationen über meine Vorfahren Lange erhalten könnte?
    Vielen Dank

  5. Dodał: Stephanie Brenner - 12 July 2018 15:04

    Hat irgendjemand Informationen zu dieser Familie:
    Anton OCZKO *ca.1848 oo Maria HERGERDT – Kinder: Maria Alisia? *ca.1880 / Johann Anton * 3.4.1882 in Biala und mind. 1 weiterer Sohn? namens Wika? – der Familienvater war 1908 Gerichtskanzlist und lebte zw. 1908-1913 in der Augasse 58 in Biala – BIN DANKBAR für jede Hilfe, schreibt mit einfach ‘ne E-mail – VG Stephanie

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